PETER
VOITHOFER

Die zwei derzeit wichtigsten unternehmerischen Stellschrauben

123RF

Jetzt ist endgültig Feuer am Dach. Man muss es so drastisch sagen. Als wären zwei Jahre Pandemie nicht schon schlimm genug, überschlagen sich die Ereignisse in der Ukraine und im Wirtschaftsraum Europa. Und sie bleiben nicht ohne Wirkung auf die heimische Wirtschaft. 

Es wäre geradezu sträflich, nun in Schockstarre zu verfallen oder untätig zu bleiben – in der Hoffnung auf eine baldige, friedliche Lösung, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Im Moment sieht es nicht danach aus und die Verwerfungen auf den Märkten werden wohl eine Zeit lang anhalten.

Wirtschaftstreibende werden daher derzeit von zwei Problemstellungen regelrecht „in die Zange genommen“. Es handelt sich um zwei Risiken, von denen Unternehmer in den vergangenen zehn bis 15 Jahren weitgehend verschont geblieben waren: Auf der einen Seite stark schwankende, meist stark steigende Preise, auf der anderen Seite die problematische Warenverfügbarkeit und längere Lieferfristen.

Unwägbare Variablen ...

Die deutlichen Preissteigerungen lässt sich besonders gut am Großhandelspreisindex ablesen: Dieser ist 2021 im Vergleich zum Jahr davor im Schnitt um 10,4 Prozent gestiegen. Im Februar 2022 schnellte er im Vorjahresvergleich gar um 16,3 Prozent in die Höhe. Die Preistreiber in 2021 waren beispielsweise Altmaterial und Reststoffe (+91%), Eisen und Stahl (+59%), Motorbenzin und Diesel (+23%).               

… bedrohen die Gewinnmarge

Ohne Material (und zu immens hohen Energiekosten) droht jeder Fertigungsprozess stillzustehen. Selbst wenn die eigenen Lagerbestände gut gefüllt wären, ist man nicht vor langen Verzögerungen gefeit, weil beispielsweise Vorgewerke lahmgelegt sind. Wenn Lieferzeiten eine unwägbare Variable werden, besteht keinerlei Umsatzsicherheit mehr.
Für beide Themenkreise müssen Unternehmer rasch ihre Herangehensweise überdenken.

Stellschraube 1: Einkauf- und absatzseitige Preisbindung

Wie sensibel ein bestimmter Betrieb auf das Preisgefüge reagiert, hängt natürlich von mehreren Aspekten ab: Beispielsweise, in welchen Sortimenten man sich bewegt oder wen man beliefert – es macht einen Unterschied, ob die Abnehmer Endkonsumenten oder Wiederverkäufer sind. Auch Privatpersonen dürften 2022 ihr Konsumverhalten angesichts der Teuerungswelle – die Statistik Austria setzte die Inflation für März in ihrer Schnellschätzung auf +6,8 Prozent fest – anpassen.                                

Die Preissteigerungen treffen über kurz oder lang jeden. Daher braucht es – unabhängig von der Preissensitivität der Produkte oder der Dienstleistungen – Strategien für die Aufgabenstellung: „Wie gehe ich mit den Preissteigerungen um?“

Die sechs wichtigsten Fragen, die es diesbezüglich zu beantworten gilt, sind:

  1. Kann ich mich vom Fixpreis für mein Produkt, meine Dienstleistung, mein Werk lösen?
  2. Auf welche Zeitdauer sind meine Preisbindungen und die meiner Marktpartner angelegt?
  3. In welchem Ausmaß und wie häufig kann ich Preise erhöhen?
  4. Wie sind die vertraglichen Vereinbarungen mit meinen Partnern gestaltet: Sind Preisgleitklauseln vorgesehen? Bejahendenfalls mit welcher zeitlichen Verzögerung?                                        
  5. Sind Aufschub- oder Ausstiegsklauseln vereinbart, um Pönalezahlungen bei Überschreiten von Fristigkeiten zu verhindern?
  6. Wie sieht die aktuelle (Stundenatz)Kalkulation aus? Wann wurde diese zuletzt angepasst?

Wesentlicher Nachsatz: In Zeiten wie diesen ist es sicher nicht ausreichend, die Kalkulationen lediglich jetzt oder nur einmal jährlich durchzuführen. Die Abstände müssen wesentlich kürzer gefasst sein.

Stellschraube 2: Die Warenverfügbarkeit                               

Auch hier kommt es zu wesentlich mehr Anpassungsbedarf, als früher gefordert war.

Die 6 wichtigsten Fragen zu diesem Themenkreis sind:

  1. Wie lange hält mein Auftragsstand vor und wie kann ich ihn bedienen?
  2. Welches sind meine Kernmaterialien, welcher Mindestlagerbestand sorgt für reibungslosen Betrieb?
  3. Wann kaufe ich das nötige Material? Muss es schon bei Auftragsübernahme sein, um einen bestimmten Preis zu sichern?
  4. Welche Warengruppen sind am ehesten von Änderungen der Einkaufspreise betroffen und in welchem Ausmaß?
  5. Wie sieht die Lagerlogistik aus, wie viel Ware kann problemlos gelagert werden? 6. Welcher Bestellrhythmus macht Sinn?                                                   

Diesen Zuwächsen auf breiter Front liegen nicht nur die steigenden Energiepreise zugrunde, die gerade in den letzten Wochen „explodiert“ sind (z.B. Strompreis) . Sie sind auch den nach wie vor herrschenden globalen Lieferengpässen, speziell bei rohstoffbasierten Waren, geschuldet. Sekundäreffekte auf weitere Warengruppen sind wohl unausweichlich. Die chemische Industrie beispielsweise benötigt Erdgas als Rohstoff. Und in sehr vielen Produkt, das wir gewohnt sind zu nutzen, ist ein Vorprodukt aus der chemischen Industrie enthalten. Die Entspannung in den Lieferketten ist nicht zuletzt aufgrund der Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland nicht so bald erwartbar.

Gerne stehe ich Ihnen diesbezüglich zur Verfügung, kontaktieren Sie mich unter: p.voithofer@voithofer.cc.

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