PETER
VOITHOFER

Was Unternehmensplanung jetzt zum Muss macht

123RF/lovelyday12

Die neue Restrukturierungsordnung verpflichtet Firmen, Kennzahlen festzustellen, die einer Überschuldung vorbeugen. Integrierte Unternehmensplanung liefert diese Daten.

Noch nie gab es so wenig Insolvenzen wie in diesem Jahr – bis jetzt. Viele der Maßnahmen, die gesetzt wurden, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einzudämmen, laufen im zweiten Halbjahr aus und auch der Insolvenzgrund „Überschuldung“ kann wieder schlagend werden. Dazu kommt eine neue Restrukturierungsordnung, die Geschäftsführungen künftig deutlich mehr in die Pflicht nimmt, die Bestandfähigkeit ihres Unternehmens sicherzustellen. Um die dafür geforderten Kennzahlen zu ermitteln, wird damit eine integrierte Unternehmensplanung de facto zum Muss.

Erhöhte Pflichten für Geschäftsführung

Die Restrukturierungsordnung, die im Juli 2021 in Kraft tritt, verpflichtet die Leitung von Unternehmen bei Eintritt einer wahrscheinlichen Insolvenz Schritte zu setzen, um eine Überschuldung abzuwenden und die Bestandfähigkeit sicherzustellen. Ob und wann eine solche Existenzgefährdung gegeben ist, erfolgt mittels definierter Kennzahlen – insbesondere sind das die Eigenmittelquote und die fiktive Schuldentilgungsdauer –, die gemäß Ordnung „vorausschauend festzustellen“ sind.

Zwar ist eine solche Verpflichtung bereits in dem Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) festgeschrieben. Dessen komplizierte Handhabung hat aber dazu geführt, dass das URG in der Praxis nicht zum Einsatz kommt. Bei der Restrukturierungsordnung muss sehr wohl mit einer Anwendung gerechnet werden, da diese konkreter formuliert und einfacher operationalisierbar ist. Zudem adressiert das neue Gesetz mehr Unternehmen.

Dieser Umstand erhöht auch die Haftungsrisiken der unmittelbaren Stakeholder der betroffenen Betriebe. Es ist daher damit zu rechnen, dass finanzierende Banken und Wirtschaftsberater ihre Kunden zu einer regelmäßigen Dokumentation der entsprechenden Kennzahlen auffordern werden. Damit steigt auch von dieser Seite der „Druck“ auf Unternehmen, eine integrierte Unternehmensplanung zu implementieren.

Muss auch für Fortbestehensprognose

Aktuell besonders betroffen sind Unternehmen in Branchen, die das Vorkrisenniveau erst mittelfristig erreichen werden und verstärkt Wirtschaftshilfen in Anspruch genommen haben, die nun zurückgezahlt werden müssen. Bei anhaltend geringer Innenfinanzierungskraft gefährden steigende Verbindlichkeiten die Tilgungsfähigkeit; bei einer Verlustgebarung kann die Überschuldung die Folge sein.

Ob eine Zahlungsunfähigkeit verhindert und die Bestandsfähigkeit des Unternehmens gewährleistet werden kann, wird mit einer Fortbestehensprognose geprüft. Auch für eine solche liefert eine integrierte Unternehmensplanung die geforderten Informationen. So heißt es im 2016 veröffentlichten Leitfaden Fortbestehensprognose: „Die künftige Zahlungs- und Lebensfähigkeit eines Unternehmens stellen die beiden entscheidenden Kriterien für die Fortbestehensprognose dar.“ Und weiter: „Die Prognose ist auf der Grundlage geeigneter Planungsinstrumente unter verschiedenen Gesichtspunkten zu erstellen.“ TIPP: Den Leitfaden Fortbestehensprognose können Sie HIER kostenfrei downloaden.

Planung stärkt Resilienz von Unternehmen

Eine integrierte Unternehmensplanung liefert aber nicht nur gesetzlich geforderte Kennzahlen. Die regelmäßige Bewertung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage entlang der Wertschöpfungskette bildet die Grundlage jeder erfolgreichen Unternehmenssteuerung. Durch das frühzeitige Erkennen von Veränderungen können Unternehmen nicht nur rascher, sondern auch deutlich flexibler reagieren. Das wiederum stärkt deren Widerstandskraft. Und dass resiliente Unternehmen auch in Krisen, Chancen kreieren und nutzen können, ist eine zentrale Lehre, die sich aus der Corona-Pandemie ziehen lässt.

Für die Implementierung einer integrierten Unternehmensplanung empfiehlt sich die Unterstützung und Begleitung durch einen externen Berater. Sollten Sie Interesse an einem vertraulichen Informationsgespräch haben, kontaktieren Sie mich gerne unter p.voithofer@voithofer.cc.

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