PETER
VOITHOFER

Unternehmen und die Personalfrage

123RF

Verfügbarkeit und Qualität der Mitarbeiter*innen sind für Unternehmen ein erfolgskritischer Faktor. Umso schwerer wiegt das All-Time-High beim Fachkräftemangel.

Entsprechend einer von EY erstellten Studie ist das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte für Unternehmen in Österreich eines der Top-3-Risiken. Nur die Angst vor dem neuerlichen Ausbruch einer Pandemie und einem drohenden wirtschaftlichen Abschwung wurde bei der im Frühjahr 2021 durchgeführten Befragung als größere Gefahr gesehen. Außerdem gaben in der EY-Studie „Fachkräftemangel im österreichischen Mittelstand“ rund drei Viertel der 800 befragten Unternehmensvertreter an, Schwierigkeiten zu haben, geeignete Fachkräfte zu finden.

Das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), kommt in seinem im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) erstellten „Fachkräfteradar“ zu einem noch deutlicheren Ergebnis. Bei der zuletzt im Mai und Juni 2021 durchgeführten Befragung von mehr als 4.200 Unternehmen in ganz Österreich gaben sogar 84 Prozent an, vom Fachkräftemangel betroffen zu sein.

Fachkräftemangel über Vor-Corona-Niveau

Insgesamt lag der zum Befragungszeitpunk für Österreich geschätzte Fachkräftebedarf bei rund 221.000 Personen. Rund 44.000 offene Stellen mehr als im September 2020 bedeuten ein Plus von 25 Prozent in weniger als einem Jahr. Und mit +14.000 offenen Stellen gegenüber April 2019 liegt die aktuelle Zahl auch deutlich über dem Vor-Corona-Niveau. „Trotz Nachwirkungen der Corona-Krise ist davon auszugehen, dass sich im Mai/Juni 2021 der Fachkräftemangel in Österreich bereits auf einem neuen „Allzeithoch“ befindet“, so die Schlussfolgerung der ibw-Studie: Auch beim Arbeitsmarktservice AMS erreichte die Zahl der gemeldeten offenen Stellen Ende Juni 2021 mir rund 109.000 ein All-Time-High.

Aber nicht alle Branchen sind gleich betroffen. Den größten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften registriert das Fachkräfteradar aktuell in der Baubranche, in der Holzverarbeitung und im Tourismus. Bei den Berufen fehlen Fachkräfte am stärksten im handwerklich-technischen Bereich, gefolgt von Techniker*innen außerhalb des IT-Bereichs und Mitarbeiter*innen für das Gastgewerbe.

Die Corona-Pandemie und die daraus folgenden Lockdowns haben die Entwicklung in einigen Branchen verstärkt. Vor allem in der Hotellerie, im Gastgewerbe und im Bereich Life Science and Health Care – Stichwort Spitalspersonal und Pflegekräfte – haben viele Berufswechsler den Mangel an qualifizierten Fachkräften teils dramatisch verschärft.

Folgen für die unternehmerische Resilienz

Der Fachkräftemangel führt zu massiven Belastungen für die Unternehmer*innen selbst sowie für die vorhandenen Mitarbeiter*innen. So geben 86 Prozent der für das „Fachkräfteradar 2021“ befragten Unternehmen an, dass die fehlenden Arbeitskräfte zu einer höheren Arbeitsintensität im bestehenden Team führen. Und bei 71 Prozent muss die mangelnde Personalausstattung mit mehr Überstunden kompensiert werden. Aber auch teilweise Umsatzeinbußen sind bei 63 Prozent der Betriebe die Folge, ebenso wie ein Rückgang der Innovationstätigkeit und Probleme bei der Qualität.

Entsprechend schwächt der Fachkräftemangel die Anpassungsfähigkeit und die Widerstandskraft der Unternehmen. In einer im Frühjahr 2021 im Auftrag des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort durchgeführten Studie definiert das Economica Institut „Team-Resilienz“ als eine von neun Dimension unternehmerischer Resilienz, die entscheidend sind, ob und wie Unternehmen krisenbedingt starken Veränderungen trotzen.

Team-Resilienz“ ist eine Frage des Unternehmensstils

Was können Unternehmen also tun, um wichtige Mitarbeiter*Innen „bei der Stange zu halten“ oder um für neue Fachkräfte als Arbeitgeber*in attraktiv zu sein? Die Economica-Analyse „Resilienz und Relokalisierung. Wie KMU Krisen besser bewältigen können“ kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die im Vergleich zum direkten Mitbewerb überdurchschnittlich häufig eine bessere Umsatz- und Ergebnisentwicklung erzielen, sich durch einen partizipativen Führungsstil auszeichnen. Weitere Erfolgsfaktoren resilienter Betriebe sind eine klare Kommunikation der Unternehmensziele und Freiräume für die Mitarbeiter*innen, die diesen, eigene Entscheidungen und ein selbstverantwortliches Handeln erlauben.

Eine Personalpolitik, die sich an stärker individualisierten Lebensläufen orientiert – die lebenszyklusorientierte Personalpolitik – ist ein verfolgenswerter Ansatz. Diese setzt den Fokus auf die (sowohl individuellen als auch die unternehmerischen) Bedürfnisse in unterschiedlichen Lebensphasen der Mitarbeiter*innen. Die lebenszyklusorientierte Betrachtung gewährleistet zudem Innovationsfähigkeit und Know-how-Sicherung und gleichzeitig im Hinblick auf den demographischen Wandel eine bessere und nötige Ausschöpfung des schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzials.

TIPP: Mehr zum Thema Resilienz und der Economica-Studie inklusive Anleitungen für einen „Resilienz-Selbstcheck“ lesen Sie in meinem Beitrag: „Stärken Sie die Abwehrkräfte Ihres Unternehmens!“

Für weitere Informationen und ein Gespräch, stehe ich bei Interesse gerne zur Verfügung: p.voithofer@voithofer.cc.

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