PETER
VOITHOFER

Oberste Maxime derzeit: Vertrauen schaffen

123RF

Das Kriegsgeschehen in der Ukraine, gepaart mit den aktuellen Kostenentwicklungen und wirtschaftlichen Corona-Einschnitten ist nicht nur höchst unerfreulich, sondern stellt für so gut wie alle Unternehmer*innen einen nie gekannten Mix an Herausforderungen dar. Derzeit ist daher auch eine verstärkte Nachfrage nach Krediten, insbesondere nach kurzfristiger Liquidität, zu beobachten.

Fehler der Vergangenheit lassen sich gerade in Krisenzeiten nur bedingt wieder gut machen. Was in der aktuellen Situation für alle Fälle geboten ist: Alles zu tun, um Vertrauenswürdigkeit zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Viele Unternehmen befinden sich derzeit in einer Art Zange: Die Folgen des Ukraine-Kriegs verschärfen die bestehenden Lieferengpässe. Gleichzeitig heizen sie den Preisauftrieb bei Rohstoffen und Energie weiter an. Verzögert sich die betriebliche Produktion, lassen die Umsätze auf sich warten. Alles zusammen führt unter Umständen zu einer Liquiditätslücke, die existenzgefährdend werden kann – zumal vorerst noch kein Silberstreif am Horizont auszumachen ist. 

Weiter Stau bei Schiffscontainern

Denn bei den zu Beginn der Pandemie aus dem Takt geratenen Lieferketten auf See zeichnet sich noch keine Entspannung ab. In China waren Corona bedingt immer wieder Häfen ganz oder teilweise geschlossen. Weil Millionenstädte wie Shanghai zuletzt ganze zwei Monate im Lockdown waren, kam die Produktion in vielen Fabriken zum Erliegen. Wer glaubt, dies sei nur ein Problem an den asiatischen Häfen, irrt: Auch in den USA sind große Häfen mit der Logistik und dem Weitertransport der Container und Boxen überfordert. Die meisten Ökonomen erwarten daher eine Fortsetzung der Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten noch bis Ende des Jahres.

Erhöhter Bedarf an Umlaufvermögen

Die Folge: Just-in-time-Bestellungen sind derzeit (fast) ein Ding der Unmöglichkeit. Um genug Ware auch für die Aufträge der nächsten Quartale zu sichern, kaufen viele Unternehmer*innen vorsorglich mehr ein. Dann muss man aber auch mehr auf Lager halten. Und das wiederum führt zu erhöhtem Liquiditätsbedarf. Zudem kennen die Preise seit einiger Zeit nur eine Richtung: steil nach oben. So stiegen die Erzeugerpreise der Industrie im März 2022 extrem rasant an. Sie lagen teils um 21 Prozent über Vorjahresniveau. Die heimischen Klein- und Mittelunternehmen rechnen jedenfalls mit weiteren Steigerungen der Erzeuger- und Einkaufspreise.

Diese realistische Einschätzung wird von den Inflationszuwachsraten bestätigt: Nach 7,2 Prozent im April sah man in Österreich im Mai eine Teuerung von rund acht Prozent, dem höchsten Wert seit 1975. Und das wird wegen des verzögerten Niederschlags auf die Konsumentenpreise wohl noch nicht alles gewesen sein. Egal welche Preise noch erwartet werden und wie hoch sie dann tatsächlich ausfallen: Wer seine Produkte und Dienstleistungen nicht rechtzeitig bereitstellen kann und Ware und Material teurer einkaufen muss, hat sowohl auf der Absatz- wie auf der Einkaufsseite ein Problem.

Kreditklemme

Zwar haben laut aktueller Umfrage des KSV1870 „nur“ neun Prozent der Betriebe ihre liquiden Mittel aufgebraucht. Für 27 Prozent der Befragten ist das laufende Jahr gesichert, darüber hinaus herrscht aber Skepsis. Insgesamt erwartet lediglich jedes fünfte Unternehmen, langfristig keine wirtschaftlichen Probleme zu bekommen.

2021 haben weniger Unternehmen einen Kredit in Anspruch genommen als zu Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020 (19 versus 24 Prozent). Doch die Corona-Pandemie hat negativen Einfluss auf das Eigenkapital von etwas mehr als 40 Prozent der Firmen genommen, so der Kreditschutzverband. Während sich Investitionsprojekte aufschieben lassen, sind kontinuierliche Investitionen dennoch Garant für Wettbewerbsfähigkeit. Vielfach benötigen Unternehmen nun höhere Betriebsmittelkredite. Die bittere Wahrheit aber ist, dass viele KMU beim Bemühen um eine Krediterhöhung eine herbe Enttäuschung erleben – eben eine abschlägige Antwort der Bank.

Und der Ukraine-Krieg wird die Banken dazu veranlassen, noch genauer hinzusehen, wie stark die Unternehmen von den unmittelbaren und indirekten Folgen der Krise betroffen sind. Denn die Finanzinstitute ihrerseits unterliegen einem immer strengeren Regelwerk. Bankenaufsicht und interne Risikoüberlegungen schnüren so das Korsett enger. Auf staatliche Finanzspritzen oder die Verlängerung von Kreditlaufzeiten sollte man sich nicht verlassen. Zudem ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Europäische Zentralbank zur Inflationsbekämpfung ihren Leitzins anhebt – mit entsprechendem Niederschlag auf die Kreditzinsen.

Es geht also nicht nur darum, zu welcher Verzinsung man einen Betriebsmittel- oder Investitionskredit bekommt, die ja von Bonität und eventueller Besicherung abhängt, sondern ob man den Kredit überhaupt bekommt. Die frühzeitige Liquiditätssicherung beginnt daher bei der Schaffung von Vertrauenswürdigkeit.
Maßnahmen dazu sind:

  1. Genaue Kenntnis der innerbetrieblichen, relevanten Kennzahlen
  2. Transparente Darlegung eines plausiblen Geschäftsmodells
  3. Konsequente betriebswirtschaftliche Auswertung inklusive Führen von Saldenlisten
  4. Vorausschauende Budgetierung
  5. Einhaltung der Fristen, unbedingt rechtzeitige Bilanzlegung

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